Convalere: Beratung, Integration, Betreuung für die öffentliche Hand

Wegbegleiter in Asyl, Integration und den Arbeitsmarkt

Das lateinische Wort «Convalere» steht für «erholen, gedeihen, Kraft gewinnen». Mit dieser Prämisse wurde 2013 dieses Unternehmen im basellandschaftlichen Pratteln gegründet und hat sich im Laufe der Jahre auf Dienstleistungen in der Asyl- und Integrationsbetreuung spezialisiert. Am heutigen Standort in Liestal (BL) gehört zum vielfältigen Programm auch ein Hotel- und Restaurantbetrieb.

Joseph Weibel

Im Baselbieter Stübli lächelt Humphrey Bogart von der Wand, auf der Türseite steht ein Butler aus Kunststein zur Begrüssung bereit. Hier werden mittags und abends leckere Speisen serviert auf dem Niveau der gehobenen Gastronomie. Wir befinden uns im Angel Steakhouse in Liestal, dem früheren Hotel Restaurant „Engel”. Seit Oktober 2025 wird dieser Betrieb von der Convalere AG geführt, einem privatwirtschaftlichen Unternehmen. Der Unterschied zu anderen Betrieben dieser Art: Die Convalere AG betreut Asylsuchende und Menschen, die in den Arbeitsmarkt zurückgeführt werden sollen.

Von «Engel» zum «Angel»

Was das heisst, steht in der 22-seitigen Konzeptbroschüre „Gastro ABC” des Angel Steakhouse. Ein weiteres Dokument beschreibt das Konzept „Deutschkurs Gastro-ABC”. Hinter all dem steht Standortleiterin Doreen ’t Hart, Jobcoach und Gastro-Profi mit langjähriger Berufserfahrung. Ein Gastrobetrieb ist kein neues Standbein der knapp 13 Jahre alten Convalere AG. In Pratteln, am ursprünglichen Standort des Betriebs, wurde der „Engel” geführt. „Das war diesen Herbst ein Wechsel vom Engel zum Angel”, schmunzelt Doreen ’t Hart am neuen Standort in bester Lage in Liestal. Der Betrieb umfasst ein Restaurant mit 110 Plätzen und einen Hotelbetrieb mit 47 Betten.

Anschlusslösung erwünscht

Was in den zwei Dokumentationen steht, ist kurz gesagt die Basis für eine umfassende Grundausbildung mit Praxis und zu gleichen Teilen Theorie. Am Vormittag arbeiten die Teilnehmenden vorwiegend praxisorientiert in der Küche, im Service, im Unterhalt oder im Hotelbetrieb im Zimmerservice und Wäscherei. Am Nachmittag geht’s in den Schulungsraum zum Fachunterricht mit Sprachschulung, Bewerbungscoaching, Fachausbildung in den verschiedenen Bereichen in der Praxis.

 

Ob Flüchtlinge oder Sozialhilfebezüger, das Ziel ist bei den Förderprogrammen immer dasselbe. Die begleiteten Menschen sollen in der Basis-Grundausbildung während drei bis zwölf Monaten in eine Anschlusslösung überführt werden. Dank eines gut aufgebauten Netzwerks zu Gastronomiebetrieben und anderen Unternehmen im Dienstleistungsbereich oder auch im Gesundheitswesen wird die erfolgreiche Vermittlung der Programmteilnehmenden in den allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht. «Das sind 50 bis 60 Betriebe, die bereit sind, unsere Teilnehmenden für ein Praktika aufzunehmen. Um sicherzustellen, dass die Teilnehmenden ihre Stellen langfristig behalten, bietet Convalere bei Bedarf eine umfassende Nachbetreuung an, damit die Teilnehmenden die Probezeit erfolgreich bestehen können. Die Erfolgsquote vom Convalere-Programm im Angel in Liestal ist durchaus respektabel. Vier von fünf Teilnehmenden können auf eine feste Anstellung im allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Sprachniveau A2 erforderlich

Im Bereich der Beschäftigungsprogramme richten sich die Arbeitspensen nach den physischen und psychischen Verfassung der Teilnehmenden; im Schnitt sind es 40 bis 60-Prozent-Pensen. Asylsuchende müssen sprachlich über das Deutschniveau A2 verfügen. Auf diesem Niveau kann man sich in einfachen, alltäglichen Situationen verständigen und vertraute Ausdrücke verstehen und verwenden. Der Deutschunterricht nimmt in der Theorie der vorhergehenden Basisausbildung eine wichtige Rolle ein.

Fachleute als Ausbildner

Betreut und ausgebildet werden die Teilnehmenden von gelernten Fachleuten. In der Küche in Liestal sind das vier gelernte Köche. Im Betrieb arbeiten insgesamt vier Fachpersonen mit Zusatzausbildung als Berufsbildner.

„Das Beschäftigungsprogramm für Asylsuchende und Sozialhilfebezüger soll verhindern ermöglichen, dass Menschen eine Tagesstruktur erhalten und ihre Arbeitsmarktfähigkeit Schritt für Schritt aufgebaut wird”, fügt Tobias Eggimann ins Gespräch ein. Und das gilt nicht nur für den beschriebenen Gastrobetrieb, sondern auch für weitere Dienstleistungen (siehe Kasten). Tobias Eggimann ist seit diesem Frühling Geschäftsführer der Convalere AG und ein Quereinsteiger. Zuvor war er unter anderem Geschäftsführer einer Tourismusorganisation sowie in der Geschäftsleitung eines Wirtschaftsverbands. Er hat die Leitung des auf Sozialhilfe spezialisierten Betrieb von der Gründerin Franziska Knol übernommen.

Starkes Wachstum in über zwölf Jahren

Der Trend zu solchen Unternehmen, die im Dienst von Gemeinden stehen, wurde 2014 im Kanton Baselland durch das neue Sozialhilfegesetz zusätzlich verstärkt. Während sich der Handlungsradius anfangs vorwiegend auf die Gemeinde Pratteln konzentrierte, hat sich der Betrieb laufend weiterentwickelt und erweitert. Heute steht Convalere 50 Gemeinden im Dienst und leistet Integrations- und Sozialdienst sowie Asylbetreuung. Im Jahr 2022 übernahm Convalere zudem das kantonale Durchgangszentrum. Im nächsten Jahr wird sich der geografische Radius auch auf den Kanton Aargau erweitern, wenn neun Durchgangszentren übernommen werden. Für Convalere ist es interessant, den räumlichen Wirkungsbereich zu erweitern”, ergänzt Tobias Eggimann.

 

Bemerkenswert ist, dass Convalere als Aktiengesellschaft nicht non-profit-orientiert ist – und auch sein sollte. In den Anfängen wurde diese Rechtsform für eine Sozialfirma kritisiert, da die Beschäftigungsprogramme mit Steuergeldern finanziert werden. Der Erfolg und der Leistungsausweis des wachsenden Unternehmens haben die Kritiker jedoch weitgehend verstummen lassen. Unternehmen bietet mehr als eine reine Beschäftigungstherapie: Es ermöglicht den Teilnehmenden eine sinnvolle Tätigkeit und oftmals auch die Integration in den Arbeitsmarkt.

www.convalere.ch


Beschäftigungsprogramme von Convalere AG

Pro dem @creare

Erstellen von sinnvollen und für andere nutzbringenden Artikeln und kreativen Arbeiten. Etablierung einer Tagestruktur und Abklärung der Belastbarkeit und der Arbeitsmarktfähigkeit.

Pro dem@Werkhof

Unterstützung des Werkhofs in täglichen Arbeiten (u.a. Abfallsammeln, Graffiti- und Plakatentfernung, ausbessern von Waldwegen und Feuerstellen; Umzug und Reinigung von Notwohnungen, Mithilfe bei Liegenschaftsunterhalt).

Ein wichtiger Teil der Arbeit in Werkhöfen soll die Übernahme von Arbeiten sein, die sonst liegen bleiben oder lange nicht erledigt werden können. Die Teilnehmenden werden von Mitarbeitenden der Convalere ganztags begleitet und betreut. Sie organisieren die Einsätze, koordinieren die Aufgaben mit dem Werkhof und übernehmen die Verantwortung für die korrekte Ausrüstung. Angeboten werden Arbeiten für zwei Stärkegruppen: Die Gärtnergruppe unterstützt den Gemeindewerkhof mit körperlich anspruchsvolleren Garten- und Landschaftsarbeiten. Die Teilnehmenden erhalten dadurch die Chance, sich nachhaltig in diesem Bereich ein Wissen und Können zu erarbeiten. Eine zweite Gruppe jätet Strassen- und Trottoirränder, «fötzelt», hält Waldwege instand und reinigt Feuerstellen.

Pro dem @Integration

Unterstützung und Begleitung von Migrantinnen und Migranten bei Alltagsthemen, Deutschkonversationen, Umgang mit Computern; Vermittlung von wissenswerten Inhalten über das Leben und das Arbeiten in der Schweiz.

Pro dem @Mamas

Sensibilisierung von Müttern in kulturellen Themen in Alltags- und Familienfragen, bei Fragen der Gesundheitsfürsorge sowie der Gewaltprävention.

Die Zielsetzungen sind für alle Programme, inklusive auch dem Gastro ABC, die Etablierung einer Tagesstruktur, Abklärung und Belastbarkeit und der Arbeitsmarktfähigkeit durch anspruchsvolle Aufgaben; Vorbereitung auf den Erst- oder Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag. Die Dauer bei allen Programmen ist zwischen drei und zwölf Monaten. Arbeitspensen sind nicht festgelegt, sondern variabel.