Leichte Nutzfahrzeuge im Kommunaldienst

 Leistungsfähig, kompakt und vielseitig

Leichte Nutzfahrzeuge und Transporter, die im Kommunaldienst eingesetzt werden, müssen ganz spezielle Anforderungen erfüllen.

Kurt Bahnmüller          

Sie sind eher klein und wendig, kommen auch mit engen Strassen zurecht und sind fast ebenso leistungsfähig wie ihre grösseren Pendants. Die Rede ist von den speziellen Nutzfahrzeugen verschiedener Hersteller, die im Kommunaldienst im täglichen Einsatz stehen. Diese Fahrzeuge müssen ganz spezielle Anforderungen erfüllen. Ganz wichtig dabei ist die kompakte Bauweise der Lieferwagen, denn diese sind oft in dicht besiedelten Agglomerationen unterwegs und müssen manchmal – wenn es knapp wird – auf Trottoirs fahren können. Auch für den Einsatz in Grünanlagen und für die Landschaftspflege sind kompakte Aussenmasse der Transporter ein Vorteil. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist der leichte Zugang zur Ladefläche. Mit einer elektrohydraulischen Kippvorrichtung und einer Ladekantenhöhe von 800 mm, kann das Be- und Entladen vereinfacht werden. Trotz der kompakten Aussenmasse sollen Transporter im Kommunalbereich grosse Lasten tragen können. Schliesslich sei auch auf kurze Achsübersetzungen hingewiesen, die eine Fortbewegung an Hängen und auf unbefestigtem Gelände erleichtern. Dazu kommt, dass die Fahrzeuge weitgehend CO2-frei unterwegs sein sollten.

Breite Auswahl an unterschiedlichsten Modellen

Angesicht der hohen Anforderungen, die von Lieferwagen und Transportern im Kommunalbereich erfüllt werden müssen, erstaunt es auch nicht, wenn verschiedene Hersteller in der Schweiz spezielle Fahrzeuge anbieten oder sogar gemeinsam mit dem Kunden ein Fahrzeug planen und konstruieren. Letzteres bietet die MK Fahrzeuge„die Macher aus Triengen wie sie sich selber nennen“ an.  „Gemeinsam mit dem Kunden ein Fahrzeug zu planen und herzustellen ist eine Spezialität der MK Fahrzeuge“ unterstreicht Firmeninhaber Martin Kaufmann. Zu den Kunden von MK Fahrzeuge zählen: Spitäler, Kliniken, Heime, Bahnen, aber auch die Privatwirtschaft. Alle von MK Fahrzeuge hergestellten Fahrzeuge sind mit einemelektrischem Antrieb in 48- oder 80- Volt-Systemspannung ausgestattet und weisen entweder einen Front-, Heck-, oder 4×4-Antrieb auf. Eine Modularität die eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten erlaubt. Man setzt voll auf den Elektroantrieb.

„Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren kommen nur in Frage, wenn es keine elektrische Alternative gibt,“ betont Martin Kaufmann. Als erstes eigenentwickeltes Produkt, das nicht explizit für einen Auftrag produziert wurde, entstand im Jahr 2018 das Modell MK 2020. Dieses Fahrzeug ist mit zwei verschiedenen Antriebsmotoren einer Vierradlenkung und als 4×4-Version erhältlich.

Zu den bekannten Erscheinungen im Kleintransporterbereich zählen die Piaggio-Fahrzeuge, die in der Schweiz von der Docar AG Safenwil als Generalimporteur, sowie weiteren Händlern vertreten werden. Eine Fahrzeugreihe mit einer hohen Vielseitigkeit für unterschiedlichste Einsätze. Mit Vierradantrieb sowie Elektrotraktion eignen sich die Modelle Piaggio Porter und Van für Einsätze in Städten und Gemeinden mit oft schwer zugänglichen Raumverhältnissen. Legendär ist der Kleinste im Programm, das dreirädrige Modell Ape, das selbst auf Trottoirs unterwegs sein kann. Piaggio Fahrzeuge sind als Chassis, Pick-up oder Kipplader lieferbar. Je nach Bedarf können verschiedene Aufbauten und Module an den Piaggio Porter montiert werden, um das Fahrzeug flexibel an spezifische Einsatzanforderungen anzupassen. Mit der Ausstattung für die Stadtreinigung und den lieferbaren Kippwannenaufsatz kann der Porter auch als Kehrichtsammelfahrzeuge eingesetzt werden. Das neuste Modell ist das vollelektrische Nutzfahrzeug Piaggio Porter NPE.

Kompakte Dimensionen zeichnen auch die Goupil Fahrzeuge aus. Die in der Schweiz durch die Fae GmbH mit Sitz in Kriens vertriebenen Fahrzeuge mit Elektroantrieb können auch in geschlossenen Industriegebäuden eingesetzt werden. Lieferbar als Pritsche oder Kastenwagen für den Transport von Mitarbeitenden oder von Material oder Werkzeuge. Goupil Fahrzeuge eignen sich auch für Handwerksbetriebe etwa für Elektriker für die Wartung von Elektroinstallationen oder Reparaturen. Die Fahrzeuge können auch mit einem Hebekran ausgerüstet werden für Arbeiten in der Höhe. Auch als Löschfahrzeug für die Erstversorgung am Brandort können Goupil Fahrzeuge eingesetzt werden und die auch enge Strassen befahren können.

Die Firma Klingler  Fahrzeugtechnik AG mit Sitz in Stans entwickelt und baut seit über 40 Jahren massgeschneiderte Elektronutzfahrzeuge. Einsatzgebiete sind Gemeinden, der öffentliche Dienst, Gartenbau-, Agronomie- und Industriebetriebe aber auch der Personen- und Warentransport in autofreien Gemeinden. Ein Transporter mit elektrischem Antrieb schont die Umwelt im Stop-and-Go Verkehr kann einfach bedient werden und weist geringe Betriebskosten auf. Insbesondere im Bereich der Bewirtschaftung von Grünflächen aber auch für die Abfallbewirtschaftung, spielen die Produkte der Klingler Fahrzeugtechnik eine wichtige Rolle.  Die Kombination aus hoher Nutzlast und kompakten Abmessungen ermöglichen ein effizientes Arbeiten durch den Einsatz unterschiedlichster angepasster Aufbauten. Einige Fahrzeuge sind auch als Rechtslenker verfügbar. Eine Lebenserwartung von mehr als 15 Jahren im täglichen kommunalen Einsatz sind das Ziel von Klingler, entsprechende Referenzfahrzeuge sind denn auch täglich unterwegs. Zum Transporter-Programm zählen die Fahrzeuge der EGT-Baureihe. Die Transporter EGT 6000 und der Transporter 6000 PCR weisen eine Nutzlast bis zu 3,5 Tonnen   und eine Zuglast bis 6 Tonnen auf.  Der etwas kleinere EGT 4000 weist eine Nutzlast bis zu 2,9 Tonnen und eine Zuglast bis 2,5 Tonnen auf.

Auch kompakte Lieferwagen, eines japanischen Herstellers sind in der Schweiz im Kommunalbereich im Einsatz. Iseki, gegründet 1926 von Kunisaburo Iseki bietet in der Schweiz eine breite Palette leistungsfähiger und vor allem kompakter Fahrzeuge an. Zum Programm zählen Transporter, Rasentraktoren, Frontmäher und Elektrofahrzeuge. Mit dem Modell M15n bietet die Iseki Traktoren AG mit Sitz in Fischbach-Gräslikon auch elektrisch angetriebene Fahrzeuge an. Diese können in der Grünflächenpflege, in der Landwirtschaft und in der Forst- und Wegetechnik eingesetzt werden. Der MT15n wird in drei verschiedenen Konfigurationen angeboten, als Kipper und als Kipper mit Werkzeugkasten, sowie als Mülltonnenkipper. Alle drei Fahrzeuge verfügen über zwei einzelne Sitzplätze. Erreicht wird eine Maximalgeschwindigkeit von 55 km/h bei einem Leergewicht von 886 kg. Seine Reichweite beträgt rund 114 km (WLT).  Die Zugkraft beträgt 500 kg bis 2000 kg je nach Version und Gesetzgebung. Angetrieben wird der MT15n von einem dreiphasigen Asynchronmotor mit einer Leistung von 12 kW.  Iseki gewährt auf der Batterie eine Garantie von fünf Jahren und für das Fahrzeug von 2 Jahren.  Dank des 4G-Systems an Bord, ist für den MT15n eine Ferndiagnose möglich. Sämtliche Elekrofahrzeuge von Iseki werden in Belgien entwickelt und zusammengebaut und in der Schweiz von einem leistungsfähigen Service unterstützt der mehr als 130 Händler umfasst. 

ARI Motors – in der Schweiz durch verschiedene Partner vertreten – bietet kommunalen Betrieben und Gemeinden vielseitige Elektrotransporter in verschiedenen Varianten und Grössen an. Das Lastentrike ARI 345 ist als Pritsche (auch mit Planenaufbau) oder mit Kofferaufbau in je drei Grössen erhältlich und kann 325 kg Nutzlast aufnehmen. Es kann bereits mit dem Mopedführerschein gefahren werden. Der wendige Elektro-Kleintransporter ARI 458 kann 531 kg Nutzlast aufnehmen und ist in zahlreichen Aufbauten verfügbar: als Pritsche (mit oder ohne Planenaufbau), Kipper, Food Truck oder mit einem Kofferaufbau, welcher auch gekühlt werden kann. Der grosse Elektrotransporter ARI 901 mit rund 900 kg Nutzlast ist in vier Aufbau-Versionen verfügbar

Lindner Unitrac Transporter vertreten durch die Bergtrac Fahrzeugtechnik GmbH Seewen, lassen sich für unterschiedlichste Arbeiten im Kommunalbereich einsetzen, sei dies Schneeräumen, als Kehrgerät oder Mähgerät sowie Entsorgen oder Transportieren. Das Fahrwerkskonzept umfasst: Einzelradaufhängung, Scheibenbremsen, Hydraulikfederung mit Niveauregulierung, permanenter Allradantrieb und lastschaltbare Differentialsperren. Das im Unitrac 112/122 LDrive verwendete CVT-Stufenlosgetriebe wurde gemeinsam mit ZF entwickelt und wird von Lindner produziert. Der Unitrac P5 ist serienmässig mit einem vollsynchronisierten 16/16- Gang-Splitt-Getriebe ausgestattet. Der Unitrac LDrive arbeitet mit einer Axialkolbenpumpe, die die Hydraulikleistung stufenlos bis 88 l/min regelt. Es wird stets die jeweils benötigte Ölmenge für alle Arbeitskreise gefördert und Verlustleistungen dadurch eliminiert. Bis zu 5 EHS-Steuergeräte und ein EWS Steuergerät mit Mengeneinstellung sind möglich. Diese arbeiten proportional. Die Hydraulik-Feineinstellung erfolgt über den IBC-Monitor. Der Unitrac ist optional mit 4-Rad-Lenkung erhältlich. Der Wendekreisradius beträgt  3,5m (ohne 4-Rad-Lenkung 6 m). Durch den verdrehbaren Fahrzeugrahmen haben ständig alle vier Räder Bodenkontakt und grösstmögliche Traktion. Die serienmässige mechanische Niveauregelung ermöglicht eine hohe Kippstabilität in schwierigem Gelände. Serienmässig ist das Fahrzeug mit einem 2-Kreis-Bremssystem, mit je zwei innenbelüfteten Scheibenbremsen vorne und hinten.  

Der italienische Hersteller Alke ist seit über einem Jahrzehnt auf die Produktion kleiner Elektrotransporter für den Kommunalbereich spezialisiert. Generalvertreter für die Schweiz ist die Firma Ad. Bachmann AG, Maschinen und Fahrzeuge in Tägerschen TG.  Für Handwerks- und Kommunal­betriebe ist die ATX-Baureihe geeignet. Sie umfasst die Einzelkabine-Zweisitzer 310E, 320E, 330E, 340E, 330/340EH sowie die viersitzigen Doppelkabiner 330/340ED beziehungsweise EDH. Fünf Radstände und drei Ladepritschenlängen stehen zur Wahl, aber auch offene und geschlossene Layouts oder Kombiversionen. Neu sind zwei Sattelauflieger mit automatischer Anhängerkupplung.

Unter dem Motto „elektrische Nutzfahrzeuge für alle Fälle“ fertigt der belgische Hersteller Addax Motor drei Baureihen seiner M-Familie. In der Schweiz werden diese Fahrzeuge von der Jakob Hug AG Lenzburg vertreten. Die mit einem Radstand von nur 2040 mm und einem 4,5 m Wendekreis handlichen Fahrgestelle der Baureihen MT, MTN und MTX (Chassis +50 Zentimeter) lassen sich mit unterschiedlichen Aufbauten ordern. Interessant ist die Variante Pritsche oder Koffer. Der 12 kW starke Motor mit 120 Nm Drehmoment wird von einem Lithium-Eisen-Phosphat-­Akku mit 14,4 kWh (Garantie: fünf Jahre) gespeist. Die Ladung an einer haushaltsüblichen Steckdose (230 V/16 A) soll maximal 6,5 Stunden dauern.

Die vom französischen Hersteller Aixam produzierten Transporter umfasst die beiden Pro-Versionen Pritsche und Van (Kofferaufbau) mit Elektroantrieb. Vertreten werden diese Fahrzeuge in der Schweiz durch die Steck Automobile AG in Bigenthal. Die maximal 1,50 Meter breiten, sowie knapp drei Meter langen Leichttransporter sind vor allem für den Einsatz im engen urbanen Umfeld konzipiert. Angetrieben werden die auf einem Fahrgestell mit 2252 Millimetern Radstand bauenden Zweisitzer von einem Mavel-Synchron-Permanentmagnetmotor, der maximal 9 kW mobilisiert. Die Lithium-Ionen-Akkus (7,26 kWh) sollen eine Reichweite von maximal 130 Kilometern ermöglichen.

Für den Kommunalbereich eignen sich auch kleine und wendige Lieferwagen, die vielseitig einsetzbar sind. Sie bieten ausreichend Ladevolumen und Nutzlast für typische Aufgaben im Kommunalbereich und sind dank kompakter Abmessungen auch in engen Stadtgebieten gut manövrierfähig. Zu ihnen zählen u.a. folgende Fahrzeuge: Citroën Berlingo, VW Caddy, Toyota Proace City, Nissan Townstar, Renault Kangoo Van und Opel Combo. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Kleintransporter im Kommunalbereich unverzichtbar sind, um eine Vielzahl von Aufgaben im öffentlichen Raum effizient und sicher zu erledigen. 

 Das Angebot an Nutzfahrzeuge im Kommunalbereich umfasst eine Vielzahl von Fahrzeugen mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen, die für den Transport von Gütern oder Personen eingesetzt werden können. Dazu zählen folgende Einsatzbereiche:

Pflege von Grünflächen: 
Transport von Werkzeugen, Materialien und Geräten für die Pflege von Parks, Gärten und Grünanlagen.        

Strassenreinigung: Transport von Reinigungsgeräten, Abfallbehältern und Kehrmaschinen. 

Winterdienst: Salzstreuer, Schneeräumfahrzeuge und Transport von Streugut. 

Bauhof: Transport von Baumaterialien, Werkzeugen und Geräten für Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten. 

Logistik und Materialversorgung: Transport von Büromaterial, Lebensmitteln für Kantinen und anderen Gütern für verschiedene kommunale Einrichtungen. 

Kurierdienste und Postdienste: Innerstädtische Zustellung von Briefen, Paketen und anderen Sendungen. 

Handwerk und Reparaturdienste: Einsatz als Werkstattwagen für Elektriker, Installateure, Schreiner usw. 

Personentransporte: Beförderung von Mitarbeitern zu verschiedenen Einsatzorten oder von Personen mit eingeschränkter Mobilität. 

 Löschfahrzeuge:  Erstversorgung am Brandort

Werkstattfahrzeuge:  Mobiler Einsatz von Technikern, die  Reparaturen und Wartungsarbeiten im öffentlichen Raum durchführen

Ver- und Entsorgung: Für kleinere Entsorgungsaufgaben, wie die Leerung von Mülleimern oder den Transport von Sperrmüll.

 

Leichte Nutzfahrzeuge im Kommunalbereich werden in folgenden Varianten angeboten:

 Kastenwagen: Transport von Werkzeugen, Material und Gütern. 

Pritsche mit Plane: Transport von sperrigen Gütern und Materialien. 

Fahrzeuge mit Ladebordwand: Erleichtert das Be- und Entladen schwerer Gegenstände. 

Spezielle Aufbauten: Strassenreinigung, Winterdienst, Transport von Abfall. 

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Kleintransporter im Kommunalbereich unverzichtbar sind, um eine Vielzahl von Aufgaben im öffentlichen Raum effizient und sicher zu erledigen.