«Restwert:» Die Brücke zwischen Integration und Online-Marktplätzen
Das Projekt Restwert – 2016 gegründet – dient für die Arbeitsintegration in über 20 Standorten, vor allem in der Deutschschweiz und zwei in der Westschweiz. Die Projektmitarbeitenden übernehmen für Private und Geschäftskunden den kompletten Aufwand beim Verkauf eines Produktes auf einer Online-Plattform. Bei einem Verkauf partizipiert der Kunde mit 50 Prozent.
velafrica
Joseph Weibel
Wir sind in einem Industriequartier im basellandschaftlichen Pratteln. In verschiedenen Gebäuden werden hier junge Männer und Frauen an Integrations- und Ausbildungsplätze im kaufmännischen, logistischen und administrativen Bereich beschäftigt. Zuweiser sind etwa die IV und auch die regionalen RAV. Die Menschen sollen für den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden. Das Projekt Restwert hat mittlerweile 27 Franchiseunternehmen mit knapp 350 Arbeitsplätze (davon 52 Lernende).
Velos für Afrika
In Pratteln betreibt Velafrica ein weiteres Integrationsprojekt mit der Partnerorganisation AIP plus, die am Standort von Restwert eine Velowerkstatt betreibt. Schweizweit werden jährlich rund 40 000 Velos kostenlos abgeholt, oder sie können an die verschiedenen Sammelstellen gebracht werden. Über 30 Partnerorganisationen reparieren die ausgedienten Velos oder verarbeiten sie zu Ersatzteilen. Jeweils 25 000 Fahrräder werden in Containern verfrachtet und nach Afrika gebracht – vorwiegend in Velozentren in Tansania, Burkina Faso, Madagaskar und Südafrika. Mit den Velos werden zudem Tausende Ersatzteil mitgeschickt. Ein Fünftel der jährlich rund 25 000 Fahrräder kommen in vier kleine Betriebe in Ghana, Gambia und in der Elfenbeinküste. Die Velos werden von kleinen Fahrradgeschäften für 15 bis 20 US-Dollar verkauft. Fünf Franken davon gehen an Restwert. Die Fahrräder dienen den Einheimischen als rasches Fortbewegungsmittel in grössere Zentren, wo sie arbeiten, Lebensmittel beschaffen oder Kinder zur Schule gehen.
So funktioniert der Verkauf
Zurück zum Projekt Restwert. Wer Produkte im Haushalt ersetzen aber nicht wegwerfen will, versucht diese auf einer Online-Plattform, zum Beispiel Ricardo, zu verkaufen. Dafür müssen Texte verfasst und Bilder des Artikels realisiert werden. Nach der Auktion erfolgt der Versand oder die Vereinbarung eines Abholtermins und die Zahlungsmodalitäten müssen entsprechend abgewickelt werden. Am Schluss wird vom Verkaufserlös die Provision von Ricardo abgezogen (8 bis 12 Prozent).
Es geht auch anders. Diese Arbeit – von Anfang bis zum Schluss – übernimmt Restwert. Das Vorgehen: Die Artikel müssen zu einer der 27 Schweizer Standorte auf Voranmeldung vorbeigebracht werden. Diese werden erfasst und fotografiert in einem speziell dafür eingerichteten Fotostudio. Dann wird das Inserat erstellt mit korrektem Beschrieb und auf die Online-Plattform von Ricardo gestellt. Findet das Produkt einen Käufer, gehen 50 Prozent an den Kunden, 29.9 bis 33.9 Prozent werden Restwert vergütet; 8 bis 12 Prozent beträgt die Gebühr von Ricardo; weiter entfallen 8,1 Prozent an die Mehrwertsteuer. Den Versand der Artikel übernimmt ebenfalls Restwert.
Kein Verkauf – was dann?
Falls ein Artikel – auch nach mehreren Verkaufsversuchen – keinen neuen Besitzer findet, wird der Kunde per Mail benachrichtigt. Er kann entscheiden, ob er den Artikel spenden oder innert Wochenfrist wieder abholen will.
Erfahrungsgemäss werden etwa Elektrogeräte, Zubehör für Elektronik und Peripheriegeräte, Spielzeug und Sportartikel, Marken- und Funktionskleider werden recht gut verkauft.
Nicht angenommen von den Sammelstellen bei Restwert werden Möbel, Bücher, VHS/DVD/Kassetten/Schallplatten; Puzzles, Helme/Sicherheitsausstattung, Kinderwagen, Autositze, Medikamente, Tiere, Pflanzen, Militaria, anzügliche Produkte, elektrische Geräte ohne Stecker.
Ausserdem werden auch nicht mehr als fünf Artikel pro Mal angenommen. Aufgrund der hohen Lagerbestände kann es einige Wochen dauern, bis die Produkte auf die Online-Plattform gelangen. Der Kunde wird nach einem erfolgreichen Verkauf kontaktiert.
Firmenkunden mit höheren Warenbeständen
Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft unterstützt das Projekt Restwert ausgewählte Firmenkunden beim Verkauf von Retouren und Restposten. Das sind etwa auch Produkte, die in einem Outlet-Store nicht verkauft werden können, die dann aber über Ricardo oft ein neues Zuhause finden.
Für kleinere Firmenkunden gilt: Warenbestände bis ca 30 Artikel; keine oder wenig identische Artikel; Anlieferung direkt zum regionalen Standort; kein Funktionstest/Datenlöschung notwendig. Es gelten die üblichen Konditionen gemäss AGB.
Die regionalen Standorte entscheiden über die Annahme der Artikel unter Berücksichtigung einer möglichst hohen Artikelvielfalt.
Grössere Firmenkunden: Warenbestände ab rund 30 Artikel; identische Artikel möglich; Anlieferung an die Zentrale Koordinationsstelle; Funktionstest/Datenlöschung möglich; es gelten individuelle Konditionen.
