Im Gespräch Viviane Pfister, Co-Geschäftsleiterin und Medienverantwortliche von Swiss Recycle

«Wir wollen den Recycling Day noch sichtbarer machen»

Frau Pfister, 2026 war bereits die neunte Austragung des Recycling Day in der Schweiz. Was hat sich von der Stunde Null bis heute vor allem geändert?
Viviane Pfister: Der Recycling Day hat sich von einem klassischen Aktionstag hin zu einer breit abgestützten Sensibilisierungskampagne entwickelt. Heute sprechen wir gezielt unterschiedliche Zielgruppen wie Gemeinden, Schulen und Unternehmen als Multiplikatoren an und bieten ihnen konkrete Instrumente zur Umsetzung. Gemeinden und Recyclinghöfe fungieren dabei als wichtigste Schnittstelle zur Bevölkerung: Sie machen Recycling konkret erlebbar, schaffen Zugang zu Infrastruktur und tragen die Botschaften direkt in den Alltag der Menschen.

Etwas mehr als 10 Prozent der über 2100 Gemeinden in der Schweiz haben sich in diesem Jahr beteiligt. Entspricht das Ihrer Zielvorstellung oder hat es noch viel Luft nach oben?
Die Beteiligung von rund 230 Standorten zeigt, dass der Recycling Day gut etabliert ist und auf grosses Interesse stösst. Gleichzeitig sehen wir klar weiteres Potenzial. Unser Anspruch ist, die Reichweite kontinuierlich auszubauen – insbesondere, weil Gemeinden eine zentrale Rolle als Multiplikatoren spielen und den direkten Zugang zur Bevölkerung haben.

Was könnte der Grund sein, dass sich nicht mehr Gemeinden, Recyclinghöfe und Unternehmen daran beteiligen?
Ein Faktor ist möglicherweise der Aufwand, der höher eingeschätzt wird, als er tatsächlich ist. Viele Organisationen verfügen über begrenzte personelle Ressourcen oder haben bereits volle Jahresplanungen. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung: Mit niederschwelligen Massnahmen, etwa Kommunikationsaktivitäten oder kleinen Aktionen vor Ort, ist eine Teilnahme gut möglich. Genau hier setzen wir an, indem wir Leitfäden, Vorlagen und Best Practices zur Verfügung stellen. Gleichzeitig braucht es immer Zeit, bis sich ein Aktionstag etabliert hat. Dass wir Jahr für Jahr mehr Aktionen haben, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, den Recycling Day in der Schweiz zu etablieren.

 

Wenn Sie jemand fragt, was kostet mich eine solche Veranstaltung. Was können Sie antworten?
Die Teilnahme am Recycling Day ist bewusst niederschwellig gehalten. Der Aufwand und die Kosten hängen stark vom gewählten Format ab: Das kann von einer reinen Kommunikationsmassnahme mit bestehenden Kanälen bis hin zu einem Tag der offenen Tür reichen. Viele Teilnehmende nutzen bestehende Strukturen und kombinieren den Recycling Day mit eigenen Aktivitäten. Auch beim Durchführungsdatum verweisen wir nicht strikt auf den 18. März. Wenn dieser beispielsweise auf einen Montag fällt, muss meist mehr Werbung betrieben werden, um auf eine Aktion aufmerksam machen, als wenn der Tag an einem Samstag ist, den sowieso viele als Recyclingtag nutzen. So haben wir bereits vor zwei Jahren vermehrt auf die Möglichkeit einer Recycling Week aufmerksam gemacht, um Gemeinden und Recyclinghöfe zu ermutigen, die Recycling Day-Aktion an einem für sie passenden Tag durchzuführen.

Sie haben auf Ihrer Website kommuniziert, dass sich auch Unternehmen aktiv am Recycling Day beteiligen. Wie kann sich ein Unternehmen einbringen?

Unternehmen können sich auf unterschiedliche Weise engagieren: Durch Sensibilisierung ihrer Mitarbeitenden, beispielsweise mit Aufräum- oder Sammelaktionen, oder über ihre Kommunikationskanäle. Viele Firmen nutzen den Tag auch, um ihre bestehenden Recyclinglösungen sichtbar zu machen oder den Dialog mit Mitarbeitenden und Kund:innen zu stärken. Wichtig ist: Jede Aktivität, die das Bewusstsein für korrektes Trennen und Recycling stärkt, zahlt auf das gemeinsame Ziel ein.

Gibt es eine ungefähre Zahl von Besuchenden, die an den 230 Standorten den Tag begleitet haben?

Eine schweizweite Gesamtzahl ist schwierig zu beziffern, da die Formate sehr unterschiedlich sind – von digitalen Kampagnen bis hin zu lokalen Veranstaltungen. Die Erfahrungen aus den einzelnen Standorten zeigen jedoch, dass insbesondere Tage der offenen Tür gut besucht waren und viele Menschen direkt erreicht werden konnten. Zusätzlich wurde die Reichweite durch Online-Aktivitäten deutlich verstärkt.

Welche Erkenntnisse und Schlüsse ziehen Sie aus dem diesjährigen Recycling Day?

Der Recycling Day 2026 hat gezeigt, dass einfache, alltagsnahe Botschaften wie «Trenn dich!» sehr gut funktionieren. Besonders wirkungsvoll sind Formate, die Recycling erlebbar machen – etwa Einblicke in Recyclinghöfe oder konkrete Mitmachaktionen. Gleichzeitig sehen wir, dass die Kombination aus lokalen Aktivitäten und digitaler Kommunikation entscheidend ist, um eine breite Wirkung zu erzielen.

 

Blicken wir auf die zehnte Austragung im nächsten Jahr. Sehen Sie da schon mögliche Highlights, um diesem Jubiläum noch etwas mehr Gewicht zu verleihen?

Auch die zehnte Durchführung werden wir nutzen, um den Recycling Day noch sichtbarer zu machen. Unser Fokus bleibt dabei klar, möglichst viele Akteure einzubinden und das Thema Recycling und Kreislaufschliessung gemeinsam mit Multiplikatoren breit in der Gesellschaft zu verankern.

 

Wann ist der richtige/späteste Zeitpunkt, um eine Teilnahme zu planen?

Idealerweise starten Gemeinden, Unternehmen oder Schulen einige Monate im Voraus mit der Planung, um eigene Aktivitäten optimal einzubetten. Gleichzeitig ist eine Teilnahme auch kurzfristiger möglich – insbesondere bei reinen Kommunikationsmassnahmen. So ist beispielsweise die Bestellung des kostenlosen Recycling Day Plakates bis 5 Arbeitstage vor dem Recycling Day möglich, inkl. rechtzeitiger Lieferung. Und für ganz Kurzentschlossene stellen wir Text- und Bildmaterial zum Kopieren zur Verfügung. Unser Ziel ist es, den Einstieg so einfach wie möglich zu gestalten, unabhängig vom Planungsstand.